{"id":168,"date":"2007-04-30T00:56:42","date_gmt":"2007-04-30T00:56:42","guid":{"rendered":"http:\/\/rocknroll-reporter.de\/blognroll\/?p=168"},"modified":"2007-04-30T00:56:42","modified_gmt":"2007-04-30T00:56:42","slug":"zublin-oder-warum-ich-immer-noch-uber-die-ungerechtigkeit-der-welt-weine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tanterock.de\/?p=168","title":{"rendered":"Z\u00fcblin, oder warum ich immer noch \u00fcber die Ungerechtigkeit in der Welt weine"},"content":{"rendered":"<p>Im Sommer 1944 wurde 1.700 j\u00fcdische Frauen aus Ungarn zur Zwangsarbeit aus Ausschwitz nach Frankfurt geschickt. Dort wurden sie (haupts\u00e4chlich) von der Firma Z\u00fcblin beim Bau der erste Rollbahn des Frankfurter Flughafens eingesetzt. Die 1.700 Frauen arbeiteten ohne ausreichende Nahrung, ohne Schuhe oder anst\u00e4ndige Kleidung. Zum Teil war auch f\u00fcr diese Umst\u00e4nde Z\u00fcblin verantwortlich. Sie arbeiteten so hart und so schrecklichen Bedingungen, dass das Arbeitslager bereits im November des selben Jahres wieder aufgel\u00f6st wurde. Die \u00fcberlebenden Frauen wurden in das KZ Ravensbr\u00fcck gebracht. (Quelle: http:\/\/www.kz-walldorf.de, www.3sat.de)<\/p>\n<p>Nur 200 dieser Frauen \u00fcberlebten die Nazi-Diktatur.<\/p>\n<p>Vorhin habe ich auf 3Sat eine Dokumentation gesehen, sie ist schon ein paar Jahre alt und sie hei\u00dft &#8222;Die Rollbahn&#8220;. Der Film erz\u00e4hlt von der Entstehnung des historischen Lehrpfades auf dem ehemaligen Gel\u00e4ndes dieser KZ-Au\u00dfenstelle, von dem Engagement einiger Sch\u00fclerinnen und davon, dass 18 \u00dcberlebende nach 56 Jahren noch einmal diesen Ort ihrer furchtbaren Qualen besuchten. Und erz\u00e4hlt auch von der uns\u00e4glichen Ignoranz der Firma Z\u00fcblin, die bis heute jegliche Auseinandersetzung mit dem Thema ablehnt, die die Briefe und Anfragen der Sch\u00fcler, der Museumsleiterung und der Stadt einfach ignorierte, die der Presse lakonisch mitteilte, man g\u00e4be keinen Kommentar zum KZ Walldorf ab und die sich zuletzt auf die Stellungnahme zur\u00fcckzog: &#8230; sind wir davon \u00fcberzeugt, dass Z\u00fcblin keine Schuld f\u00fcr das Schicksal der Zwangsarbeiterinnen trifft.&#8220; deshalb &#8222;&#8230; sehe ich auch keinen Grund, Schadenersatz an die \u00dcberlebenden zu leisten.<br \/>\n(Quelle: www.kz-walldorf.de).<br \/>\nEs war ekelerregend, zu sehen, wie der Sprecher des Unternehmens, der sich dann doch irgendwann dazu herablies, mit den angereisten \u00dcberlebenden zu reden, nichts als hohle Phrasen und dummes Gew\u00e4sch f\u00fcr diese Menschen \u00fcbrig hatte. Menschen, die es \u00fcber sich gebracht hatten, in ein Land, an einen Ort zu reisen, wo so Dinge erlebt haben, die wir uns selbst gar keine wirklichen Vorstellungen von machen k\u00f6nnen, egal, wieviel wir dar\u00fcber gelesen haben. Menschen, die trotzdem bereit waren, sich damit auseinanderzusetzen, um zu helfen, um Frieden zu finden. Frauen, deren Schmerz selbst nach 56 Jahren noch so gro\u00df ist, dass sie nur unter Tr\u00e4nen von ihren Leiden erz\u00e4hlen konnten &#8211; und es trotzdem taten.<br \/>\nUnd da geht dieser Konzern hin und hat kein Wort des Bedauerns, kein Wort der Entschuldigung, hat nichts als Geschw\u00e4tz \u00fcbrig &#8211; es k\u00f6nnte ihn ja sonst vielleicht einen Teil des Firmenverm\u00f6gens (1.551 Millionen Gesamt\u00fcberschuss 2005, Quelle: www.zueblin.de) kosten. Und was noch schlimmer ist: Niemanden interessiert es. Z\u00fcblin bekommt weiter dicke Auftr\u00e4ge, im Wikipediaeintrag stehen nur schale Firmendaten und die Nazi-Zeit wird ignoriert und Vater Staat ignoriert alles geflissentlich&#8230; Da ist auch dieser Entsch\u00e4digungsfond der deutschen Wirtschafts nichts mehr als Augenwischerei.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bin ich naiv, nat\u00fcrlich bin ich unrealistisch und nat\u00fcrlich hilft es niemanden, wenn ich \u00fcber das Schicksal und den Schmerz dieser Frauen und \u00fcber die Ungerechtigkeit in der Welt Tr\u00e4nen vergie\u00dfe, aber ich  tue es trotzdem.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer 1944 wurde 1.700 j\u00fcdische Frauen aus Ungarn zur Zwangsarbeit aus Ausschwitz nach Frankfurt geschickt. 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