{"id":381,"date":"2017-09-12T17:35:42","date_gmt":"2017-09-12T16:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/rocknroll-reporter.de\/sbblog\/?p=381"},"modified":"2021-11-18T17:45:15","modified_gmt":"2021-11-18T16:45:15","slug":"ich-kann-auch-fies","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tanterock.de\/?p=381","title":{"rendered":"Ich kann auch fies!"},"content":{"rendered":"<p>Ein weiterer Fund aus den Untiefen meiner alten Festplatte. Die Geschichte habe ich 2009 gemeinsam mit meinem lieben Kollegen G\u00fcnther geschrieben. Vorsicht &#8211; sie ist nichts f\u00fcr zarte Gem\u00fcter!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der H\u00e4cksler<\/p>\n<p>Er konnte es nicht mehr h\u00f6ren. Jeden Tag warf dieser d\u00e4mliche Gartenzwerg-Terrorist nebenan seinen l\u00e4rmenden H\u00e4cksler an und qu\u00e4lte ihn stundenlang mit der unertr\u00e4glichen Ger\u00e4uschkulisse. Und wenn er das nicht machte, stand sein Nachbar am Gartenzaun und m\u00fcllte ihn mit seinen Ernteerfolgen zu. Die Gr\u00f6\u00dfe seiner Kohlrabi \u00fcbertraf nat\u00fcrlich die seiner Mitg\u00e4rtner um ein Vielfaches. Er h\u00e4tte es ahnen m\u00fcssen, als er den Garten kaufte &#8211; immerhin hatten die Vorbesitzer ihr gr\u00fcnes Paradies bereits seit zwei Jahren nicht mehr betreten. Aber er w\u00fcrde nicht weichen. Er nicht. Seit Jahren hatte er auf ein Grundst\u00fcck in dieser Kleingartenanlage gespart. All sein Geld steckte hier drin. Die Lage war perfekt. Alles war perfekt &#8211; nur sein Nachbar passte nicht ins Bild. Besonders schlimm war es zur Karnevalszeit. Dann fiel dieser Idiot mit allen seinen Kumpanen aus dem Karnevalsverein in seinen Garten ein und machten das, was alle Karnevalisten tun: Saufen und uns\u00e4gliche Musik h\u00f6ren. Er hatte schon mehrere Eingaben beim Kleingartenvorstand gemacht &#8211; vergeblich. Sein Nachbar geh\u00f6rte zu den Mitgr\u00fcndern des Vereins und war daher unk\u00fcndbar. Au\u00dferdem geh\u00f6rte der Vorstand auch zum Karnevalsverein &#8211; er hatte keine Chance.<\/p>\n<p>Als er dann letzte Woche lang und breit das Programm der n\u00e4chsten Karnevalsfeier erl\u00e4uterte &#8211; die nat\u00fcrlich im Garten stattfinden sollte &#8211; hatte er die Faxen dicke. Es musste etwas geschehen. Er zog sich in seine Laube zur\u00fcck, \u00f6ffnete ein Bier und fing an, Pl\u00e4ne zu schmieden. Zwei Stunden und f\u00fcnf Bier sp\u00e4ter wu\u00dfte er, was er zu tun hatte.<\/p>\n<p>Er begann, seinen Nachbarn zu beobachten, sein Verhalten zu studieren. Das hatte ungef\u00e4hr den Unterhaltungswert von Pantoffeltierchen-Sex, aber es war n\u00f6tig, um herauszufinden, wann er sich allein im Garten befand. Es war fast zu einfach, so spie\u00dfig-regelm\u00e4\u00dfig war sein Rhythmus. Montagsmorgens war die Anlage eigentlich immer leer &#8211; nur sein Nachbar kletterte in seinen B\u00e4umen herum und schnibbelte \u00c4ste ab. Sein H\u00e4cksler brauchte schlie\u00dflich Futter.<\/p>\n<p>Dann besorgte er sich aus einem weit entfernten Baumarkt (sicher ist sicher) einen Maleroverall. Schlie\u00dflich wollte er sich nicht einsauen. Das Schwerste war, wieder ein besseres Verh\u00e4ltnis zu diesem Schandfleck der Natur aufzubauen. Doch es war wichtig und so biss er die Z\u00e4hne zusammen, l\u00e4chelte und machte Sch\u00f6nwetter.<\/p>\n<p>Eines sonnigen Montagmorgens war es dann soweit. Sein Nachbar erwartete ihn bereits freudestrahlend am Gartenzaun. &#8222;Wollnse ma r\u00fcberkommen? Ich hab nen neuen H\u00e4cksler! Den Turbo 2000 &#8211; besser als Stalingrad, sach ich Ihnen!&#8220; Nat\u00fcrlich ging er r\u00fcber. Das Schicksal war auf seiner Seite. Er bem\u00fchte sich, nicht zu sehr zu strahlen. Beschwingt betrat er den Garten. Er war nur noch einen Schubs von seinem Gl\u00fcck, von seiner Ruhe, entfernt. Und es wurde ihm auf dem Silbertablett serviert. Jetzt konnte er die Schlaftabletten einfach entsorgen. &#8222;Hier, sehn se ma!&#8220; Der Nachbar st\u00fcrzte vor Eifer schon fast selbst in den Trichter, als er das L\u00e4rmmonster anwarf. Seine H\u00e4nde zitterten kein bisschen, als sie sich dem breiten R\u00fccken seines Feindes n\u00e4herten. Nur ein schneller Schubs. Der Schutzanzug! Er lie\u00df seine H\u00e4nde fallen. Wie sollte er das erkl\u00e4ren, wenn er von Kopf bis Fu\u00df von Blut besudelt da stehen w\u00fcrde. &#8222;Wissen Sie, da geb ich Ihnen jetzt mal ein Bier drauf aus. Wird ja auch langsam mal Zeit, nicht wahr?&#8220; Jetzt fanden die Tabletten doch noch ihre Bestimmung. 20 Minuten und 2 mit zersto\u00dfenen Schlaftabletten versehenen Bier sp\u00e4ter konnte er endlich zur Tat schreiten. Er hechtete elegant \u00fcber den Gartenzaun, zog sich den Overall an, sprang zur\u00fcck und zog seinen nervigen, jetzt bet\u00e4ubten Nachbar zum Turbo 2000. Dank der Vorf\u00fchrung, wusste er wenigstens auch, wie das Ding funktionierte. Dieses eine Mal klang das Heulen des H\u00e4cksler-Motors wie Musik in seinen Ohren. Er hiefte den Oberk\u00f6rper an die \u00d6ffnung und schob den Kopf gen\u00fcsslich in Richtung der rotierenden Messer. Als erstes verfingen sich die sch\u00fctteren Haare in dem Mahlwerk. Mit einem Ger\u00e4usch, als wenn Klettverschl\u00fcsse ge\u00f6ffnet werden, l\u00f6ste sich die Kopfhaut vom Sch\u00e4del.&nbsp; Vorsichtig dr\u00fcckt er ein wenig nach, damit sein neues Lieblingsspielzeug weiter seine Arbeit nachgehen konnte. Die Arme. Immerhin sollte es ja nach einem Unfall aussehen. Mit den Fingern hatten dir gro\u00dfen Messer wenig M\u00fche. Sie verteilten sich in kleinen St\u00fccken in den Begonien. Die Sch\u00e4deldecke war da schon ein ganz anderes Kaliber. Doch mit einem kurzen Knacken war auch dieses Thema bald erledigt und erstaunlicherweise war es sogar ziemlich viel Gehirnmasse, die da aus dem Auswurfrohr sprudelte. Er h\u00e4tte ja gern noch weiter gemacht &#8211; aber seine Arbeit war erledigt. Und sein Nachbar auch. Er pellte sich aus dem blutigen Overall und stopfte ihn vorsichtig in eine M\u00fcllt\u00fcte. Dann verwischte er sorgf\u00e4ltig die Spuren seines Besuchs, wusch die leeren Bierflaschen aus und stellte sie zur\u00fcck in den Kasten. Er duschte sich die letzten Blutspritzer vom K\u00f6rper, zog sich an und verlies ungesehen mit der M\u00fcllt\u00fcte in der Hand die Kleingartenanlage. Hinter sich h\u00f6rte er den Motor des H\u00e4ckslers leise tuckern. Ein gutes Ger\u00e4t. Vielleicht sollte er sich auch so etwas anschaffen.<\/p>\n<p>(Copyright by Silke Rockt und G\u00fcnther Hucks)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein weiterer Fund aus den Untiefen meiner alten Festplatte. 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