Am Donnerstag war ich für die WAZ bei Bastian Sick in der Stadthalle Mülheim. Das war wirklich lustig, obwohl, oder vielleicht gerade weil, ich mir davon nicht so viel erwartet hatte. Als Fan seiner Kolumnen und „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“-Bücher war ich jedenfalls ganz wild darauf, darüber zu berichten. Und da dies eben ein Bericht über den Grammatik-Guru war, habe ich mir extra viel Mühe mit dem Text gegeben und in meiner Mail an die Kollegen sogar extra darum gebeten, sich kurz zu melden, wenn etwas zu kürzen sei, ich würde es dann lieber selbst machen. Eben habe ich dann auf WAZ-online meinen Text gefunden – in dem ganz schrecklich herumgepfuscht wurde (jedenfalls nach meinem Empfinden). Sogar Fehler haben sie eingebaut! Ich bin sowas von stocksauer!!!!!

Hier jedenfalls jetzt mein Text -so wie ich ihn geschrieben habe:

„Sind wir nicht alle ein bisschen Sibylle? Haben „Mund-zu-Mund-Propaganda“ betrieben oder eine Sache in „grüne Tücher gebracht“? Sibylle jedenfalls ist Meisterin im Verdrehen von Redewendungen und Sprichwörtern. Das behauptete zumindest Bastian Sick am Donnerstagabend in der ausverkauften Stadthalle. Der Autor der „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“-Trilogie hatte hier mit seiner „Tournee zum Buch“ Halt gemacht und zeigte zweieinhalb Stunden lang, dass deutsche Grammatik durchaus Spaß machen kann. Nachdem eine freundliche Stewardess von der bühnenfüllenden Leinwand herab darum gebeten hatte, die Handys – auch „dem Nachbar seins“ – auszuschalten, enterte der Hamburger Spiegel-Online-Kolumnist die Bühne, um sich gleich über die seltsamen Ansagen der Deutschen Bahn zu wundern („Der Zug trifft in der Ankunft ein“). Dann folgte eine bunte Mischung aus Haarspaltereien und Wissenswertem, garniert mit Beispielen aus dem Leben und gewürzt mit einem kleinen Quiz. Die Einblendungen auf der Leinwand, die dem Publikum die alltäglichen Misshandlungen der deutschen Sprache vor Augen führten, sorgten für andauernde Lachsalven aber auch für ein wenig Fassungslosigkeit: sei es nun die seltsame Aufforderung „Trink Wasser für Hunde“, die „strafende Körper-Lotion“ oder die „Lexica’s“ (aufgenommen ausgerechnet in einem Markt, der mit „Ich bin doch nicht blöd“ für sich wirbt). Die Unsitte, alles zu apostrophieren, was nicht niet- und nagelfest ist, entgeht dem strengen Blick Sicks ebenso wenig wie die Stilblüten der Zeitungen. Da gibt es die „Lehrer-Fortbildung zu Neonazis“ und die „Deutschpflicht bekommt neue Führsprecher“. Kurz vor der Pause wurde dann das Publikum auf die Probe gestellt. Per Handheben wurde darüber abgestimmt, ob Frau Merkel den US-Präsident oder den US-Präsidenten traf, ob die Klasse anscheinend oder scheinbar nicht aufgepasst hatte und ob eine Zeitung, die alle zwei Wochen herausgegeben wird, 14-tägig oder 14-täglich erscheint. Dabei zeigte sich, dass viele Zuschauer die Bücher und Kolumnen Sicks offenbar noch nicht gelesen hatten – denn nachdem sich bei der ersten Frage die meisten Hände noch richtig für den „Präsidenten“ nach oben reckten, waren es für die richtige Anwort „anscheinend“ schon weniger und das korrekte „14-täglich“ fand nur ganz wenig Anhänger. Die Mülheimer hielt dieses Nicht-Wissen nicht davon ab, sich prächtig zu amüsieren, auch wenn Bastian Sick anzumerken war, dass sein Zuhause der Schreibtisch und nicht die Bühne ist. Denn seine Sprache und Gestik waren hölzern und wirkten unsicher. Selbstverständlich könnte man ihm vorwerfen, er wäre ein engstirniger Erbsenzähler, der sich über die Schwächen seiner Mitmenschen lustig mache. Fakt ist jedoch, dass er über weitaus weniger Patzer zu berichten hätte, wäre der Deutschunterricht an den Schulen so amüsant wie Sicks Auftritt in der Stadthalle.
Falls Ihnen in diesem Artikel trotz meiner sorgfältigen Prüfung noch Ungereimtheiten oder Fehler aufgefallen sind, so bitte ich Sie im Namen von Sibylle, noch einmal „Viere gerade sein“ zu lassen, denn schließlich ist ja noch „kein Meister zum Brunnen gegangen“ und „der Einäugige ist unter den Lahmen König“! “

Ich habe eben übrigens aus sicherer Quelle erfahren, dass Herr Sick wohl jenseits der Bühne ein ziemlich arrogantes Arschloch sein muss – was mich allerdings nicht wundert. Auf der Bühne hat er jedenfalls amüsiert….