Doris würde sie verstehen, alle diese Mädchen, die sich in Castingshows verheizen lassen, nur für die Chance, einmal ein hellstrahlender Stern am Showhimmel zu werden. Denn Doris weiß: „Weil nämlich ein Glanz sein ist das Großartigste, was es gibt.“ .

Das ist es, was Irmgard Keuns „kunstseidenes Mädchen“ um jeden Preis der Welt sein will: Ein Glanz, jemand besonderes, jemand, der über alle und über alles hinwegleuchtet. Doch das ist schwierig für ein Mädchen aus der Unterschicht. Doris kämpft, mit fast allen Mitteln., bekommt die Chance, am Theater ein Glanz zu werden – und setzt es der Liebe wegen aufs Spiel. Mit einem gestohlenen Pelzmantel flieht sie nach Berlin, verspricht sich von der großen Stadt die große Möglichkeit – und scheitert. Am Ende will sie eigentlich gar kein Glanz mehr sein, „nur noch gehören zu einem“. Und doch, ganz gestorben zu sein scheint er nicht, der Wunsch.
Das Ein-Personen-Stück feierte am Montag in der Fabrik K14 Oberhausener Premiere . Bianca Künzel spielt Doris (im Kostümdesign von Nadine Bergrath) mit einer Intensität, die das Publikum ohne Pause in den Bann zieht. Sie macht es dem Publikum einfach, diese Doris zu mögen, die sich reich fühlt, weil sie noch Dummheiten machen kann, so wie die, sich dem schönen Mann zu geben, nicht dem reichen. Regisseurin Miriam Michel schafft es kongenial, der brillanten schauspielerischen Leistung Künzels und der wunderbaren Sprache des Stücks den passenden Rahmen zu geben. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, dass das kunstseidene Mädchen von 1932 so modern, so nah und so intensiv daher kommt und den Glanz verbreitet, den Doris so verzweifelt zu erreichen sucht.
Ein Theatererlebnis wie dieses bekommt man heutzutage leider viel zu selten geboten: Intelligent, emotional und unterhaltend.
Zu sehen gibt es „Das kunstseidene Mädchen“ noch am Montag, 15., und Montag, 22.Mai, jeweils 20.30 Uhr. in der Fabrik K14, Lothringer Strasse 64, Telefon 25 475.
Karten gibt es im Vorverkauf unter: mim_michel@hotmail.de oder telefonisch unter 0179-9491042 oder 0179-2257469.
Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro.

… Den Text habe ich gerade zu den Kollegen nach Oberhausen geschickt. Zufrieden bin ich damit nicht wirklich, denn ich hätte gern noch viel mehr geschrieben, aber leider – ich muss mich ja kurz fassen für die Zeitung…

Dabei fehlt noch so viel: So viele wunderbare Dinge, die Doris erzählt, die perfekte Musikauswahl von Miriam, die so genial die Aussage des Stücks unterstreichen (Das Ganze enden zu lassen mit „Die Vernunft darf niemals siegen“ von Tocotronic – wie geil ist das denn??) und und und…
Ich hoffe, ich komme in den nächsten Tagen dazu, noch etwas mehr zu schreiben und ich kann nur jedem raten, sich dieses Stück anzugucken!
Mehr Infos gibt es auch auf der Homepage der Fabrik K14.

Mit dieser Leistung sind Miriam, Bianca und Nadine auf alle Fälle meine Helden der Woche!!!!

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