… ich war ja noch gar nicht fertig mit meinen Phu Quoc-Erkenntnissen und die Peinlichkeit des neuen Jahres wollte ich Euch ja nach reiflicher Ueberlegung auch nicht vorenthalten…
Die Rundfahrt auf Phu Quoc hat mir nicht nur einen tauben Hintern, sondern auch noch viele neue Eindruecke beschert. So sind Nhat und ich (weswegen ich den Namen ploetzlich weiss, werdet ihr noch erfahren) zum Beispiel bestimmt einen Kilometer lang an Bahnen von Stoff entlang gefahren, auf denen kleine Fischchen zum Trocknen auslagen und von den Inselbewohnern gewendet, geschuettelt und in Saecke verfrachtet wurden. Das roch recht streng, war aber enorm faszinierend anzuschauen und in mir sind doch einige Bedenken ob der gesundheitlichen Unbedenklichkeit dieses Lebensmittels aufgekommen, als ich das so gesehen habe. Immerhin sind dort regelmaessig Mopeds vorbeigefahren, die Abgase wie Staub gleichermassen auf den Fischchen verteilt haben. Da faellt es kaum noch ins Gewicht, dass die Fischersleute mit blossen Fuessen ueber die voll belegten Bahnen gelaufen sind…. Nun ja, die getrockneten Fische werden sehr haeufig in der asiatischen Kueche benutzt und bisher ist offiziell offensichtlich noch niemand daran gestorben.
Ich bin jedenfalls am naechsten Morgen vollkommen frei von Seekrankheit nach Rach Gia uebergesetzt und bekam dort erst einmal einen mittelgrossen Herzinfarkt. Denn in Vietnam, wie auch in vielen anderen Laendern, ist es nun einmal so, dass man beim Einchecken seinen Pass abgibt und ihn beim Auschecken zurueckbekommt. Soweit kein Problem – wenn man ihn denn auch zurueckbekommt, und nicht wie Frau Traeumelein Rockt nicht darauf achtet, dass er eben nicht wieder in der eigenen Tasche landet…
So stand ich denn in Rach Gia an der Rezeption und vor einem hysterischen Anfall. Gluecklicherweise hatte mir Nhat anfangs seine Telefonnummer aufgeschrieben, damit ich ihn wegen der Tour haette anrufen lassen koennen. Die Nummer der Bungalow-Anlage hatte ich natuerlich nicht und selbst wenn, haette mich dort niemand verstanden. Also habe ich dann von dem verwirrten Hotelmann, der selbst kaum Englisch sprach, Nhat angerufen, der gluecklicherweise gleich verstand, was mein Problem war (dabei spricht er auch nicht so gut englisch) und meinen Pass dann am naechsten Tag mit dem naechsten Speedboat via Festland zu mir herueber geschickt hat.
Da in Rach Gia absolut nix los ist, hatte ich also etwas Zeit, mich selbst zu geisseln und gelegentlich mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, um mir meine Daemlichkeit auszuteiben. Das Ganze hatte aber auch sein Gutes, denn so habe ich Rommy und Bernd kennengelernt, ein super-nettes Paerchen aus Muenchen, die mir sogar noch am Hafen mental Haendchen gehalten haben, waehrend ich immer panischer vor dem Speedboat im einsetzenden Regen herumsprang und jedes Besatzungsmitglied mit „Nhat! He gave my passport on the boat!“ zugetextet habe. Die haben sich natuerlich erst einmal auf meine Kosten praechtig amusiert, bevor sie mir mein geliebtes burgunderrotes Schriftstueck gegen eine fette Ueberfuehrungsgebuehr (naja, fuer Vietnam fett, fuer uns laecherlich, 5 Euro – aber meine Ueberfahrt war nur 1,50 Euro teurer…) endlich aushaendigten. Halleluja! Nhat, Rommy und Bernd (ich hoffe, ihr lest das), ich werde euch ewig dankbar sein!
Jetzt lasse ich das Ding nicht mehr aus den Augen….
Vom Hafen aus bin ich quasi gleich in den Bus nach Can Tho (natuerlich wieder die einzige Langnase) und konnte unterwegs noch einen spektakulaer schoenen Sonnenuntergang geniessen (leider nicht knipsen) und erste Erfahrungen mit der schon erwaehnten Fahrpraxis machen.
Als ich dann auf dem Motorrad Richtung Hotel unterwegs war, war klar, dass ich den „Silke allein unter Vietnamesen“-Teil hinter mir gelassen hatte. Der Reise-Trampelpfad hatte sich zur ausgebauten Strasse entwickelt. Can Tho, beliebt und beruehmt fuer seine Mekong-Touren und seine schwimmenden Maerkte, ist definitiv „touristisiert“. Was zur Folge hatte, dass der Motorradfahrer mich permanent zu anderen Hotels gefahren hat, als zu dem, welches ich ihm angegeben hatte (da bekam er offenbar keine Provision) und dann auch noch mehr Kohle sehen wollte (hat er aber nicht bekommen!). Schliesslich bin ich dann in einem einfachen kleinen Guesthouse gelandet, wo ich gleich ein Mekong-Tour-Paket abschliessen konnte. Eigentlich wollte ich noch Angebote vergleichen, aber ich war zu muede, um mich mit den ganzen Schleppern auseinanderzusetzen und habe lieber – endlich – meinen ersten Gin Tonic in einer netten Touri-Kneipe am Can Tho (der Fluss heisst naemlich auch so) getrunken.
Wobei dieses heilsame Getraenk hier irgendwie niemand kennt – ich muss immer erst erklaeren, was ich will und bekomme nur irritierte Blicke, einen Gin und eine Dose Tonic.
Jedenfalls stand ich dann am naechsten Morgen un 5.30 Uhr vor der Tuer, bereit, Vietnam per Boot zu erobern. Das heisst – erst einmal stand ich hinter der Tuer, weil die war naemlich abgeschlossen und ich kam nicht raus (gut, dass es nicht gebrannt hat in der Nacht…). Mein Zimmer war naemlich im hinteren Gebaeude ohne direkten Zugang zum Haupteingang. Nachdem ich immer verzweifelter an der Klinke geruettelt und gegen die Scheibe geklopft hatte, ist schliesslich eine arme Seele von den Mitarbeitern wach geworden und hat mich herausgelassen.
So konnte ich dann doch noch mit meinem ungefaehr 12 Jahre alten Bootsfuehrer zu neuen Abenteuern aufbrechen.
Doch von denen erzaehle ich ein anderes Mal, denn hier scharren sie schon mit den Hufen und wollen Feierabend machen. Und morgen um 9.30 Uhr erwartet mich ja schon Phuoc (gesprochen: Fuk….), um mich mit seiner Fahrradrikscha durch Saigon zu karren (wahrscheinlich von einem Touri-Neppladen zum naechsten).

Sayonara!