Boah, nee, watt war datt schoen heute. Mir tut es richtig leid, dass ich morgen frueh schon wieder aufbreche – die Gegend hier hat auf alle Faelle mehr Zeit verdient.
Paul, mein Easy Rider, ist ein Gruendungsmitglied dieser Tour-Gruppe. Er und rund 20 seiner Freunde haben sie 1992 ins Leben gerufen, als der Tourismus in Vietnam anlief. Darin sahen sie eine Chance, endlich ihren Lebensunterhalt verdienen zu koennen – denn als ehemalige Soldaten der suedvietnamesischen Armee gab es bis dahin fuer sie kaum eine Chance, einen dauerhaften Job zu bekommen.
Seit 15 Jahren kurvt er nun also Touristen in Ein- und Mehrtagestouren durch das suedliche Hochland Vietnams. Er kennt die Gegend wie seine Westentasche und hat mir zu allen unseren Stopps viele Infos gegeben.
So habe ich auf unserer Fahrt die drei unterschiedlichen Kaffeesorten kennengelernt (Mocca, Robustica und aeh… scheisse, schon wieder vergessen…) und gelernt, dass Vietnam nach Brasilien zweitgroesster Kaffee -Exporteur (und auch der zweitgroesste Reis-Exporteur) der Welt ist. Ausserdem bin ich an einem traumhaft schoenen Wasserfall gewesen, habe tolle Tempel besichtigt und bin in einem Dorf gewesen, in dem eines der vielen Minoritaeten-Voelker Vietnams lebt. Das sogenannte „Huehnerdorf“ (weil es dort eine ueberdimensionierte Hahn-Statue gibt) ist zwar schon ziemlich touristisch, aber es war trotzdem klasse, vor allem weil Paul mir noch die Schule gezeigt hat, die leider sehr heruntergekommen ist, da die Kinder dort immer Fussball spielen und toben. Dann hat er die Blagen mit Bonbons gefuettert, so dass ich praechtig fotografieren konnte. Frueher lebten die Leute hier davon, die Baeume der Bergwaelder zu Holzkohle zu verarbeiten. Da das aber Ueberhand genommen hat und die Haenge langsam kahl wurden, wurden die Menschen kurzerhand in das Dorf gesetzt und auf Bauer umgeschult.
Ausserdem bin ich im Sommerpalast des letzten Kaisers von Vietnam gewesen, der allerdings eher ein sehr nettes Haus denn ein Palast ist, mit sehr schoener 30er-Jahre Einrichtung (das meiste haette ich mir sofort in die Wohnung gestellt).
Ganz am Ende der Fahrt hat Paul mich gefragt, ob ich noch etwas besonderes sehen wollte und ist fast von seiner Maschine (uebrigens ein „richtiges“ Motorrad, kein Mofa) gefallen, als ich wie aus der Pistole geschossen sagte, ich wolle auf den Friedhof. Das hatte er in seinen vielen Jahren wohl noch nicht gehoert.
Dalat hat eine richtige Nekropolis, eine Totenstadt, die riesig gross ist. Und aehnlich wie in vielen suedeuropaeischen Laender werden auch hier grosse Steinaufbauten ueber die eigentlichen Graeber gesetzt, oft mit Bildern der Verstorbenen im Kopfteil des Sarkophags und mit einer Nische, in der Raeucherstaebchen verbrannt werden. Die Graeber sind wild verteilt, es gibt eine Wege oder irgendeine sichtbare Ordnung, ich bin ziemlich herumgeklettert und war ganz begeistert.
Und jetzt habe ich Hunger! Bis spaeter!