Ich bin definitiv busschlaftauglich, naja, jedenfalls fast. Denn ich habe von den rund 12 Stunden im Bus bestimmt 8 geschlafen – leider nicht am Stueck, aber immerhin sogar tief, mit allen peinlichen Tiefschlafausfaellen. Ich glaube, ich habe sogar zwischendurch geschnarcht (aber das haben fast alle im Bus, das ist nicht weiter aufgefallen) und definitiv auf mein aufblasbares Nackenhoernchen gesabbert (Familie, es ist ja schoen, dass ihr mir diese Schlaffaehigkeit vererbt habt, aber den Rest dieser Gabe haettet ihr ruhig behalten koennen).
Ich habe dann gleich das Hotel genommen, das an der ersten Hoi An-Haltestelle seine Dienste angeboten hat – bei 7 Dollar fuer ein sauberes Zimmer mit Warmwasser, Kuehlschrank und Kabel-TV kann man ja nicht so viel falsch machen. Leider habe ich erst im Laufe des Tages festgestellt, dass mein Rucksack im Kofferraum des Busses offensichtlich in irgendetwas ekeligem gelegen hat – jedenfalls sind die Aussentaschen samt Inhalt von einer seltsam riechenden schmierigen Fluessigkeit druchdrungen. Ganz toll. Also habe ich vorhin erst einmal gewaschen, werde aber wahrscheinlich morgen den ganzen Schwung nochmal zur richtigen Waesche geben.
Apropos Waesche. Hoi An ist ja beruehmt fuer seine Schneiderkunst und ich hatte mir ja vorgenommen, mir hier vielleicht etwas machen zu lassen. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, ist die Tatsache, dass in diesem wirklich sehr pittoresken Staedtchen ungefaehr zwei Schneider auf einen Touristen kommen, dass heisst, in jedem zweiten der historischen Haeuser hat sich ein „Cloth-Shop“ eingenistet, oder ein Schuhgeschaeft, weil naemlich hier auch Schuhe nach Mass angefertigt werden. Da ich zwar total durch von der Nachtfahrt war, aber nicht schlafen konnte, bin ich erst einmal fruehstuecken gegangen – und habe festgestellt, dass hier zu dem schon vertrauten „Moto-Bike?“ jetzt auch noch Rufe wie „Come in! Have a look! Nice Cloth! Much Color! I make your size“ hinzukommen.

Der Standard-Touri-Anmach-Reigen geht in Vietnam wie folgt: „Hello! Where do you come from? I have many friends in Germany!“ Woraufhin mindestens eine Kladde gezueckt wird, in der Touristen aus aller Welt in hoechsten Toenen die Dienste des Motorrad-Fahrers/Schneiders/Fuehrers loben. Wobei diese Buecher kein Fake zu sein scheinen und ich die Idee sogar gut finde. Allerdings wird es auf Dauer doch etwas laestig, sich andauernd die Berichte von Anneliese aus Gelsenkirchen-Buer oder John aus London unter die Nase halten zu lassen.
Jedenfalls wurde ich, als ich frohen Mutes Richtung Dalang anstatt Richtung Altstadt wanderte, von einer Vietnamesin mittleren Alters freundlich in die richtige Bahn umgeleitet – und dass, obwohl ich sie voher vertroestet hatte, dass ich mir ihren Schneiderladen erst spaeter oder gar nicht angucken wollte. Als ich sie dann nach dem Fruehstueck (mit Blick auf den Fluss, sehr malerisch) zum dritten Mal (und wirklich zufaellig!) wieder getroffen habe, habe ich mich meinem Schicksal ergeben.
So, die machen hier gerade das Licht aus – ich wechsel die Lokalitaet. Bis spaeter!