Bangkok Tag 1

So, meinen ersten Tag in freier Wildbahn habe ich überlebt. Nach einem geschmeidigen Flug und ebensolcher Taxifahrt bin ich in meinem kleinen Hostel angekommen, hab direkt ein nettes offenes „Restaurant“ gefunden und mit einem Sinhga und leckerem Essen meine Rückkehr nach Thailand gefeiert, bevor ich dann endlich ins Bett gefallen bin.

Leider bin ich in der Nacht um 01.30 herum wachgeworden, was interessanterweise eine Uhrzeit ist, zu der ich zuhause auch immer gern wach rumliege. Also bin ich quasi schon in der Zeit angekommen. Die Hütte liegt zwar sehr malerisch quasi direkt am Fluss, aber so fahren auch sehr unmalerisch alle Schiffe durch mein Zimmer. Und so wie sich das angehört hat, waren da gestern Nacht Flugzeugträger und Öltanker auf dem Chao Phraya unterwegs … Und auch sonst viele seltsame Geräusche. Vielleicht hat auch der Waran (von der Optik her hätte es auch ein Kaiman sein können – ich schwör!), den ich heute morgen in dem „Teich vor meiner Hütte gesehen habe. Aber irgendwann bin ich dann doch wieder eingeschlafen und und dann auch erst ziemlich spät (nach 9) aber auch ziemlich fit wieder wach geworden. Nach einer kurzen kalten Dusche (für warm ist das Hostel zu billig (Korrektur – das zweite Duschklo hat warmes Wasser – hab ich nur erst einen Tag später entdeckt)) und dem Vis-a-Vis mit dem Echsen-Vieh, dass zu schnell im Dreck verschwunden ist, bevor ich es knipsen konnte, hab ich mich dann aufgemacht, Bangkok zurückzuerobern. Und eine neue Zahnbüste zu kaufen. meine ist mir nämlich runtergefallen und auf der Bürste quer durch den Raum geslidet. Hier ist zwar nicht fies oder so, aber das brauche ich dann auch nicht

Eigentlich wollte ich ja ganz symbolbeladen den Sonnenaufgang über Bangkok auf dem Golden Mount/Wat Saket betrachten, aber das hatte sich ja erledigt. Ich bin trotzdem in die grobe Richtung aufgebrochen – mit einem großzügigen Schlenker über die Kao San Road. Auch wenn die Straße über die Jahre vom Backpacker-Treffpunkt zur Partymeile verkommen ist, weckt sie immer noch Heimatgefühle bei mir. Und so viel (jedenfalls am Morgen, als die Stände gerade aufgebaut wurden) hat sich gar nicht geändert in den letzten 11 Jahren (Ich sollte mich irren – dazu später mehr). Vom ersten Blick, gerade wegen der großen D&D-Werbung, die quasi schon immer da war, war es ein echter Flashback. Zum Frühstück habe ich mir dann unterwegs einen frischen Mango-Shake mixen lassen – für umgerechnet lässigen 60 Cent, habe ich eine sonnengereifte Mango, nur gestreckt mit ein paar Eiswürfeln, bekommen. Herz, was willst du mehr (ok, eigentlich wollte ich einen Papaya-Shake, aber egal). Als ich dann gerade ein Mango-Shake-Selfie mit Tempel gemacht habe, ist mir dann siedendheiß eingefallen (auch dank der Ermahnung einer aufmerksamen Reiseleiterin, die da rumrannte), dass ich vergessen hatte, meinen „Ich-geh-in-den-Tempel-Jampel“ einzupacken (also in meinen Tagesbeutel, in Thailand ist er schon). Ich weiß ja, dass die Thais da sind wie die Katholiken, immer schön Knie und Schultern bedecken. Darum hab ich mir den Wat Saket auch geschenkt, nachdem drumherum nix da war, wo ich einen Schal oder T-Shirt hätte kaufen können, und bin stattdessen in den Wasserbus gestiegen, der dort direkt eine Haltestelle hat und bin in die City gefahren, Zahnbürste kaufen und so. Der Klongbus bringt einen superschnell und lustig über den Kanal bis in die Neustadt.

Das ist nach wie vor ein Kulturschock, wenn man aus der hutzeligen Altstadt kommt. Ein Einkaufscenter neben dem nächsten, gefühlt Milliarden von Autos und Moppets, die Hochbahn und überall Flicker-Flacker-Werbung und Musik. Nachdem ich etwas seltsam in einem riesigen Supermarkt direkt neben der Haltestelle gefühlt 5 Minuten vor einem Werbevideo für Messer gestanden habe (ich will ja so ein geniales Messer haben, mit dem die immer so tolle Gemüsesachen machen, weil das nämlich nur am Messer liegt und nicht an der Fähigkeit des Kochs!), habe ich mir dann nicht nur eine neue Zahnbürste gekauft, sondern auch Babypuder (nein, keine Messer – noch nicht). Babypuder ist mein neuer Freund. Ich hab mir natürlich innerhalb kürzester Zeit trotz Vorsichtsmaßnahmen einen Wolf gelaufen und das Babypuder hat super geholfen. Leider musste ich das andauern erneuern, daher kann ich jetzt einen Führer durch sämtliche Klos der Bangkoker Malls schreiben (kurz: alle toll, alle sauber, alle kostenlos). Ansonsten war das alles nur für reiche Menschen. Im Siam Paragon standen die Leute Schlange (!), um bei Prada und Louis Vuitton Geld auszugeben! Dinge gibst … Als ich aus diesem Luxustempel geflüchtet bin, bin ich doch glatt von einer (ich schätze indischen, aber hab eigentlich gar keine Ahnung) fremden Frau nachdrücklich aufgefordert worden, mit ihr für ein Selfie zu posieren. Da ich danach noch alle meine Sachen hatte, und auch noch nicht meine übliche thailändische rote Überhitzungs-Gesichtsfarbe hatte, rätsel ich immer noch, weswegen sie das gemacht hat.

Den Erawan-Schrein musste ich mir wieder geben, auch wenn der natürlich auch eine große Touri-Geschichte ist, aber auch viele Thais gehen dorthin und bringen Opfer oder zahlen, damit die Tänzerinnen für ihr Seelenheil tanzen. Danach war der Tag quasi schon wieder um und ich bin dann doch wieder am Wat Saket gelandet – pünktlich zum Sonnenuntergang. Ich hatte mir aufgrund der Speckenbollen-Krise kurz vorher noch eine andere Hose gekauft, die ich dann benutzt habe, um meine Schultern zu bedecken. Wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn dort konnte man am Ticketschalter (50 Bath Eintritt, das sind ungefähr 1,50€, um den Tempel auf dem Hügel zu erklimmen) auch Klamotten leihen, um sich züchtig zu geben. Was den Weg zum Tempel, die Besteigung und alles so ganz besonders gemacht hat, waren die Mönchsgesänge (bzw. das „Chanting“). Ich weiß nicht, wie lange die das gemacht haben, aber ne Stunde bestimmt. Und das war ein fortlaufender Text! Das weiß ich, weil ich die Mönche (die waren in der Tempelanlage am Fuß des Hügels) eine Weile beobachtet habe und zwei kurzzeitig gegenseitig ins Buch geschaut haben. wenn er sich versungen hatte – ich hab nix gemerkt! Als ich dann jedenfalls begleitet von diesen Sprechgesängen oben an der goldenden Kuppel stand und zwischen den anderen Touris und Thais auf Bangkok hinuntergeblickt habe, kam ich mir schon sehr oooohm vor. Ich hab zur Sicherheit noch alle Gongs und Glocken geschlagen auf dem Weg nach unten (soll gut sein fürs Seelenheil) und unten dem Lucky Buddha noch einen Besuch abgestattet – besser ist das. Inzwischen war es dunkel und nochmal wunderschöner, weil alles schön beleuchet und mit Lichterketten geschmückt war. Außerdem gab es ein Lampion-Ding zu Ehren des bevorstehenden chinesischen Neujahrs. Und einen Baum, an den man so goldene Blätter mit Wünschen hängen konnte gegen eine Spende – sozusagen die buddhistische Variante des Kerzen in Kirchen anzünden. Habe ich natürlich gemacht – und nicht nur für mich …

Danach habe ich meinen wunden Körper erstmal ins Hostel und zur Thaimassage geschleppt und habe danach auf der Phra Athit Road eine vorzügliche vietnamesische Nudelsuppe (ja, in Thailand – ich Rebellin!) gegessen, von der mir versichert wurde, sie sei ganz ohne Tiere. Unter der Weihnachtsdeko der Moonshine Bar auf der Soi Rambuttri habe ich dann festgestellt, dass ich immer noch nicht in meinen Blog kann und das die Moonshine-Bar ein Kölschfass auf dem Thresen hat und sehr schlechte Cocktails. Und dann … bin ich nochmal auf die Khaosan Road.
Hölle.
Alle zwei Meter brüllt Partymusik aus einem Laden und versucht den Sound der Bar vis-a-vis noch zu übertönen. Fliegende Händler halten einem Werbung, gegrillte Skorpione oder billige Souveniers unter die Nase. Und gefühlt drölfhundertausend Menschen pro Quadratmeter. Ich hab mal für ein paar Meter ein Video gemacht. Der Handyton schluckt eine Menge. Stellt es euch einfach noch schlimmer vor. Ja, ich bin alt – aber ehrlich gesagt hat mir vor sowas schon vor 30 Jahren gegraust. So bin ich schnell geflüchtet und zu meinem Waran und meinen Flugzeugträgern zurück unter die Brücke …

Verzeiht mir das unprofessionelle Hochformat, ich war zu verstört … 😉